Details
ISBN/EAN: 978-3-7445-1803-1
Einband: kartoniertes Buch
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Auflage:
1. Auflage 2004
1. Auflage 2004
Erschienen am:
01.05.2004
01.05.2004
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
476 S.
476 S.
Format (T/L/B):
3 x 24 x 15.5 cm
3 x 24 x 15.5 cm
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Beschreibung
In dieser Anatomie des französischen Bildungssystems entwirft Pierre Bourdieu eine Theorie der Macht und zeigt, wie sich diese in der Konstruktion von Eliten in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung entfaltet und Gestalt annimmt. Macht erweist sich als Produkt eines sozialen Systems, das durch seine Struktur und Funktionslogik bestimmte gesellschaftliche Schichten privilegiert und ihnen die Reproduktion ihrer Macht ermöglicht. Bourdieus Buch bietet die Analyse sozialer Ungleichheit und ihrer Reproduktion. Als entscheidender Faktor in diesem sozialen Konstruktionsprozess kristallisiert sich in der Analyse des Materials das kulturelle Kapital heraus. Es kommt bereits auf der Ebene der Sekundarschulenmit seiner selektiven Wirkung zum Tragen. In einer begrenzten Zahl exklusiver Gymnasien sammeln sich die Sprösslinge jener gesellschaftlichen Elite, die über Generationen hinweg ein hohes kulturelles Kapital verwaltet und ihren Nachkommen bereits in frühester Kindheit vermittelt hat. Mit dem Begriff Bildung ist dieses Kapital nur unzureichend beschrieben, weil es ästhetische, moralische und geistige Dispositionen umfasst. Aus diesen formiert sich ein besonderer Habitus, der seine Träger zur Macht prädestiniert. Pierre Bourdieus bildungssoziologische Studie beruht auf umfangreichem empirischem Material, das er im Laufe von mehr als 20 Jahren zusammengetragen und mit quantitativen wie auch qualitativen Methoden ausgewertet hat: Protokolle von Prüfungskommissionen, Interviews mit Schülern von rund 20 Vorbereitungskursen zu Aufnahmeprüfungen, Interviews mit Studenten von rund 40 Elitehochschulen, Tiefeninterviews mit Professoren, Nachrufe auf verstorbene Alumni sowie eine Fülle von weiterem schriftlichem Material. Er zeigt, wie die staatlichen Elitehochschulen Frankreichs - allen voran die Ecole Normale Superieure (ENS) und die Ecole Normale d'Administration (ENA) -als Tore zu den Machtpositionen in der Staatsverwaltung, der Wirtschaft und dem öffentlichen Hochschulwesen der französischen Republik fungieren. Bourdieus zentrale These ist, dass die Eliteschulen und ihre Diplome dieselbe Funktion haben wie zu Zeiten des Ancien Regimes das Adelsprädikat am königlichen Hof: Sie konstituieren und reproduzieren eine sozial geschlossene Elite. Mehr als die formale Bestätigung intellektueller bzw. akademischer Qualifikation sind die Diplome der Eliteschulen Zeichen der Aufnahme in den geschlossenen Zirkel einer gesellschaftlichen Führungsschicht, die im republikanischen Frankreich die adlige Oberschicht abgelöst hat.
Über Pierre Bourdieu
Pierre Bourdieu (* 1. August 1930 in Denguin, Pyrénées-Atlantiques; gestorben 23. Januar 2002 in Paris) war einer der bekanntesten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Er studierte Philosophie in Paris an der École Normale Supérieure. Mit einem Buch über den Aufenthalt in Algerien 1958 - 1960 ("Die zwei Gesichter der Arbeit") begründete er seine Reputation als Soziologe. Seit 1981 hatte Bourdieu einen Lehrstuhl am Collège de France. Im Jahre 1993 wurde er mit der "Médaille d'or du Centre National de la Recherche Scientifique" (CNRS) ausgezeichnet. Pierre Bourdieus soziologische Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert. Er war bekannt als politisch interessierter und aktiver Intellektueller, der sich gegen die herrschende Elite und den Neoliberalismus wandte.