Tipp von Susanne: "Karen W." von Gerti Tetzner
DDR, 70er Jahre. Karen verlässt die Großstadt sowie ihre große Liebe Peters, um mit ihrer Tochter nach Thüringen zu gehen, an den Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Enthusiatisch beginnt sie dort ein vollständig anderes Leben, arbeitet auf dem Feld, arrangiert sich mit dem Tierarzt, der inzwischen einen Teil des Hauses ihrer Kindheit bewohnt. Sie ist glücklich, doch mit der Zeit kommen ihr Zweifel: persönlicher Natur - sie vermisst ihren Mann -, aber sie sieht erste Widersprüchlichkeiten in der Planwirtschaft. Als im Geflügelhof ihres Nachbarn eine Hühnerseuche ausbricht und Peters zeitgleich zu Besuch ist, ringt sie mit ihrer Position in ihren neu aufgebauten Leben.
1974 geschrieben wurde das Buch in der DDR verboten. Nun ist es glücklicherweise wieder aufgelegt und es besticht durch eine gradlinige, natürliche, sehr frische Sprache sowie eine intensiv fragenden Blick auf die Regularien des Staates. Aber es hinterfragt auch im Persönlichen die beruflichen Karrierewege der Akademiker in der DDR. Gerti Tetzner, damals auch eine Autorin der Gruppe um Christa Wolf, hat mit Karen W. ein mutiges, wunderbar eigenes Buch über Aufbruch und Zweifel geschrieben!