Tipp von Stefan: "Jetzt beginnt das Leben" von Alex Schulman
Auf zwei Ebenen erzählt Alex Schulman, einer der beliebtesten schwedischen Autoren der Stunde, die Geschichte von Vidar, 45, der als Lehrer arbeitet und bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung in seiner Schule einen Schüler verletzt hat. Der Vorfall ist für Vidar wie ausgeblendet, an die Dimension seiner Tat erinnert er sich nicht. Als ihm zwischen alten Kartons die Telefonnummer des Sommerhauses in die Hände fällt, in dem er mit seiner Familie seine Kindheit verbrachte, ruft Vidar in seiner Vergangenheit an, versucht Kontakt mit vorgestern aufzunehmen, um sich an gestern zu erinnern. Wir erleben Vidar, der mit seinen Eltern und mit sich selbst als Kind telefoniert und Vidar, der daran scheitert für seine Tat Verantwortung zu übernehmen. Wird ein Zusammenführen dieser beiden Ebenen die Risse in der Erinnerung kitten? Mit präzisem Wahrnehmungsvermögen und in einer klaren ökonomischen Sprache fügt der Autor das Psychogramm eines Mannes zusammen, der irgendwann eine tiefe Verletzung erfahren, aber ganz den Bezug zu diesem Ereignis verloren hat.